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Wie Sie Flexibilität in Geld umwandeln können
Ihr Vermögen für Sie arbeiten lassen

 

Wie wir bereits besprochen haben, hat nahezu jede Stromquelle, ob Last oder Speicher, das Potenzial für Flexibilität. Darüber hinaus liegen in Flexibilitäten enorme Gewinnpotenziale. Aber welche Möglichkeiten gibt es diese zu nutzen? Heutzutage existieren verschiedene Märkte für den kurzfristigen Stromhandel, die zu unterschiedlichen Zeiten und Zwecken gegründet wurden und sich so stark voneinander unterscheiden. 

Regelenergiemärkte

Wenn Sie zehn Branchenkollegen fragen würden, welche Märkte für Flexibilität zur Verfügung stehen, würden neun von ihnen sofort Regelenergiemärkte nennen. Das macht Sinn; Bedarf an Regelenergie gibt es länger als alle anderen kurzfristigen Strommärkte (auch wenn sich ihr Marktdesign im Laufe der Zeit verändert hat). Außerdem wurden Regelenergiemärkte mit der Absicht gegründet,  die Netzstabilität mit Vorlaufzeiten von Sekunden oder Minuten durch Flexibilität aufrechtzuerhalten.

Die Gestaltung der Regelenergiemärkte ist äußerst komplex und unterscheidet sich von Land zu Land, obwohl der Prozess der Harmonisierung in der EU diese Unterschiede letztendlich verringern wird. Aufgrund der entscheidenden Rolle des Regelenergiemarktes für die Netzstabilität, sind die Hürden für die Teilnahme relativ hoch. Anlagen müssen präqualifiziert werden, um sicherzustellen, dass sie liefern können. Auf diesem Markt ist der ÜNB nicht nur Ihr einziger Vertragspartner, Sie überlassen ihm auch die endgültige Entscheidung, ob produziert wird oder nicht.  Darüber hinaus sind Sie zur Lieferung verpflichtet und müssen sich an komplexe Regeln halten, die sich ständig ändern können. Im Grunde kann man bei Regelenergiemärkten von einer Oligarchie sprechen: Die Preise werden von einer Handvoll großer Akteure bestimmt. 

Day-ahead Auktionen 

Traditionelle Day-Ahead-Auktionen zählen ebenfalls zu dem kurzfristigen Stromhandel. Wie der Name schon sagt, wird Strom für alle Lieferperioden des folgenden Tages gehandelt. Ähnlich wie Regelenergiemärkte wurden sie für planbare Energie wie Wärme- und Wasserkraftwerke ausgelegt und existieren schon seit Längerem. Das Problem heutzutage ist, dass lange Vorlaufzeiten nicht unbedingt dabei helfen, flexibel auf unerwartete Schwankungen bei Angebot und Nachfrage zu reagieren.

Intraday Auktionen

Intraday-Auktionen sind eine neuere Entwicklung, die nur in wenigen Ländern verfügbar ist. Sie finden in der Regel ein- oder zweimal pro Tag statt, um Strom für alle Zeiträume der folgenden 24 Stunden zu handeln. Ihre Rolle liegt in etwa zwischen derjenigen der Day-Ahead-Auktionen und des kontinuierlichen Intraday-Marktes. Die Vorlaufzeiten sind zwar kürzer als am Day-Ahead-Markt, aber immer noch nicht schnell genug, um den heutigen Flexibilitätsanforderungen gerecht zu werden.

Kontinuierlicher Intraday-Markt

Kontinuierliche Intraday-Märkte sind die Newcomer unter den kurzeitigen Strommärkten. Sie haben sich parallel zu Erneuerbaren Energien entwickelt, weil traditionelle Auktionen nicht für sehr kurzfristige Szenarien geeignet sind - wenn man beispielsweise eine überschüssige Stromposition eine halbe Stunde vor der Lieferung loswerden will, um sein Portfolio auszugleichen. Der Intraday-Markt hat demgegenüber Vorlaufzeiten von Minuten. 

Im Gegensatz zu Regelenergiemärkten, wird auf dem Großhandelsmarkt direkt über eine organisierte Börse gehandelt. Die Regeln sind kulanter und Sie können Ihre Entscheidung jederzeit anpassen, um beispielsweise eine eingegangene Position zurückzuhandeln, wenn sich Bedingungen ändern.

Der Kontinuierlicher Intraday-Markt ist liquider und (fast noch wichtiger) demokratischer als andere Märkte. Die Preise werden durch die Marktdynamik bestimmt, anstatt von den größten Produzenten kontrolliert zu werden. Die Markteintrittsbarrieren sind viel niedriger als bei Regelenergiemärkten, da keine Vorqualifikation erforderlich ist. Und wenn Sie über einen Dienstleister mit eigenem Marktzugang handeln, gibt es keine wirklichen Barrieren - Sie könnten rein theoretisch gleich morgen loslegen. Trotz der Beliebtheit der Regelenergiemärkte ist der Intraday-Handel die beste Möglichkeit, Ihre Flexibilität voll auszuschöpfen.

Lokale Flex-Märkte 

Lokale Flex-Märkte sorgen für viel Aufsehen in der Energiewirtschaft und einige befinden sich derzeit in der Testphase. Die Idee, Flexibilität lokal zu handeln kann helfen, Engpässe in Übertragungs- und Verteilungsnetzen zu vermeiden und so die Notwendigkeit eines Netzausbaus verringern. Das Konzept hat Potenzial; es passt gut zu der wachsenden "Buy Local"-Bewegung und gibt den Menschen ein Gefühl der Gemeinschaft, wenn sie Strom von ihren Nachbarn beziehen können. Da die größten Herausforderungen bei der Übertragung jedoch darauf zurückzuführen sind, dass die Standorte Erneuerbarer Energien in der Regel weit von jenen mit hoher Stromnachfrage entfernt sind und daher an getrennten Verteilernetzen liegen, bleibt abzuwarten, wie Lokale Flex-Märkte in Zukunft eingesetzt werden.  

Der Weg zum Gewinn: Mehrere Märkte nutzen

Zusammenfassend sind Regelenergiemärkte und kontinuierliche Intraday-Märkte die beste Möglichkeit, um mit Flexibilität zu handeln. In der Praxis müssen Sie jedoch nicht alles auf eine Karte setzen. Sie können Ihre Flexibilität auf alle verfügbaren Märkte aufteilen. Die größten Marktteilnehmer tun dies bereits, ganz einfach um zu vermeiden, dass ein Markt übersättigt wird. In der Praxis bietet dieser Ansatz eine große Chance für alle Marktteilnehmer, da er sowohl Risikomanagement als auch die Möglichkeit zur Gewinnmaximierung bietet. 

 

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